Presse

Jazzrequiem subtil und machtvoll
(Neue Luzerner Zeitung 04.11.2013) 

LUZERN Steve Gray (1944–2008) war schwer erkrankt, als er vor über zehn Jahren sein «Requiem für Chor und Big Band» schrieb. Entstanden «im Schatten des Todes», berührt das Werk umso tiefer. In Baden und Luzern hat es jetzt eine gehaltvolle Schweizer Erstaufführung erlebt. Als der letzte Klang des «Agnus Die» am Samstagabend in der Lukaskirche verebbte, begann ein minutenlanger Applaus mit Standing Ovations.
Klassisch geschulten Ohren mögen die Harmonien und Rhythmen zeitweise ungewohnt erschienen sein. Dennoch ist das Requiem weit davon entfernt, jazzig lustvoll auszufransen oder zeitgenössisch zu provozieren. Es ist eine gut verträgliche, dennoch spannende Mischung aus klassischer Totenmesse und jazznahen Umgangsformen mit dem Material. «Verjazzte» Messen sind in der Regel eher schrecklich. Dieses Requiem hat ein anderes Gepräge.
Der englische Komponist hat das Werk für die renommierte NDR Big Band geschrieben, mit der er vierzehn Jahre zusammenarbeitete. Bei der Schweizer Version trat das bekannte Lucerne Jazz Orchestra LJO (Leitung David Grottschreiber) als Big Band auf, während der Chor Coro Sonoro und der Kammerchor Baden den machtvollen Stimmkörper bildeten. Das Konzert mit gut hundert Ausführenden wurde von Renato Botti geleitet.


Wie ein Orkan 

Schon in den ersten Minuten erfasste ein Aufbäumen das Ensemble, bevor es in ruhigem Puls weiterging. Die Tutti-Stellen in der zweiten Sequenz mit dem Dies Irae und Rex Tremendae wogten markerschütternd wie ein Orkan hoch. Umso feierlicher und von satten Bassstimmen grundiert erstand «Recordare Jesu Piu». «Lacrymosa» und «Pie Jesu» klangen auch schon mal wie eine alte Filmromanze, mit einem subtil sich steigernden Solisten (Matthias Spillmann, Flügelhorn).
Glanzvoll zum Tragen kam die Qualität der hervorragend artikulierenden Chorstimmen in den einleitenden Passagen von «Domine Jesu Christe». Das Klavier leitete zum «Sanctus» über, das jazzmusikalisch gesehen der reichste Satz war, mit aufwühlenden Harmonien, präziser Energie, guten Chor/Big-Band-Kombinationen und dem tadellosen Solisten Aurel Nowak (Trompete), der praktisch ausschliesslich in hohen Registern spielte und mit seinen grellen Linien über das getragene Lobpreisen des Chors glitt. 
 
Glanzvoll zum Tragen kam die Qualität der hervorragend artikulierenden Chorstimmen in den einleitenden Passagen von «Domine Jesu Christe». Das Klavier leitete zum «Sanctus» über, das jazzmusikalisch gesehen der reichste Satz war, mit aufwühlenden Harmonien, präziser Energie, guten Chor/Big-Band-Kombinationen und dem tadellosen Solisten Aurel Nowak (Trompete), der praktisch ausschliesslich in hohen Registern spielte und mit seinen grellen Linien über das getragene Lobpreisen des Chors glitt.

Schweizer Erstaufführung eines mutigen Werkes
(Aargauer Zeitung 25.10.2013)

Der Kammerchor Baden und der Kirchdorfer Chor Coro Sonoro präsentieren ein Werk, das der Komponist nach einer Nahtoderfahrung schrieb. von Florian Zimmermann

 
Ein geheimnisvoller, fast unheimlicher Klang entsteht, wenn der hundertköpfige Chor leise zu singen beginnt. Das unverständliche Gemurmel wird zu klaren Worten, die immer lauter werden. Durch das Einsetzen der Trompeten, Posaunen und Saxofone steigert sich das Crescendo bis zum brachialen Fortissimo, das den Zuschauer erschaudern lässt. «So klingt die ernsthafte Auseinandersetzung eines Jazzers mit der Totenmesse», sagt Renato Botti, der die Schweizer Erstaufführung des Werks «Requiem für Chor und Big Band» dirigieren wird.


«Jazz in einem neuen Licht»

Der Kammerchor Baden präsentiert zusammen mit dem Chor Coro Sonoro aus Kirchdorf und dem Lucerne Jazz Orchestra am Samstag das Werk vom englischen Komponisten Steve Gray im Trafo Baden. Seit Januar proben die beiden Chöre für die Aufführung. «Das Verstehen des Werks brauchte seine Zeit», sagt Botti. Zu Beginn hätten sich viele Sängerinnen und Sänger die Mischung von sakraler Musik und dem Sound einer Big Band kaum vorstellen können. Es dauere eine Weile, bis die Handschrift von Gray bemerkt werde. «Jetzt spüre ich die Begeisterung, die durch die vielen Proben entstanden ist.» Für Botti ist es eine unkonventionelle, aber gelungene Totenmesse: «Das Werk stellt den Jazz in ein neues Licht. Der Klassiker hört Vertrautes, wird aber immer wieder überrascht und wachgerüttelt.» Für Gray sei die Komposition ein mutiger Schritt gewesen, sagt Botti: «Es ist immer heikel, zwei Genres zu vermischen.»
 
Der Komponist hatte 2003 das Werk für den Norddeutschen Rundfunk komponiert. Während der Arbeit verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. So schrieb er Teile des Stücks in der kardiologischen Station eines Krankenhauses. Diese Nahtoderfahrung spüre der Zuhörer im Werk deutlich: «Das Licht als Wort und dessen musikalische Darstellung zieht sich durch das gesamte Werk», sagt Botti. Obwohl sich Grays Gesundheitszustand wieder verbesserte, starb er 2008 unerwartet. Seine Witwe Heather Gray wird an der Aufführung in Luzern anwesend sein. Botti freut sich auf die Vorstellungen: «Ich wünsche mir, dass das Publikum Grays Musik versteht und unsere Begeisterung bei ihnen ankommt.»

Dramatisch: Messe ist wie eine Oper
(Aargauer Zeitung 30.03.2012)

Draussen zaubert die Sonne ihr schönstes Abendrot in den Himmel und drinnen in der Kirche Kirchdorf wird konzentriert gearbeitet. Der Coro Sonoro, unter der Leitung von Margret Sohn, bereitet sich auf das Palmsonntagskonzert vor.

«Pleni sunt coeli – voll ist der Himmel, so müsst Ihr das auch singen.» – «Schaut auf das Tempo.» – «Wunderbar.» – «Sopran: volles Risiko.» Die Chorleiterin tanzt, duckt sich, springt hin und her. Sie kommentiert, lobt und kritisiert. Die rund 40 Mitglieder des Chores versuchen ihre Anweisungen umzusetzen; meist gelingt es.

Verschiedene Stimmungen

Die «Petite Messe Solenelle» von Gioacchino Rossini verlange dem Chor alles ab, sagt Margret Sohn. «Die Messe ist wie eine Oper. Dramatisch, überwältigend und dann wieder ganz ruhig.» Die Sängerinnen und Sänger müssen jederzeit konzentriert sein, damit sie sich von einem Moment zum nächsten in eine neue Stimmung versetzen können. Das Werk ist mit Klavier – gespielt von Rahel Sohn – und Harmonium – gespielt von Georg Masanz – kammermusikalisch besetzt. Als Solisten wirken Noëmi Sohn Nad (Sopran), Antonia Frey (Alt), Mauro Peter (Tenor) sowie Milan Siljanov (Bass) mit.

Ein äusserst vielseitiger Chor

Den  Coro Sonorogibt es bereits seit 1999. Seine Mitglieder sind zwischen 18 und 40 Jahren alt. Und immer wieder machte der Chor mit Schweizer Erstaufführungen auf sich aufmerksam. Zum Beispiel 2004 mit «The Armed Man, a Mass for Peace» von Karl Jenkins oder 2006 mit der «Misa a Buenos Aires» des jungen Argentiniers Martin Palmeri. Daneben pflegt er ein grosses Repertoire von Liedern aus verschiedenen Epochen und Stilrichtungen. Der  Coro Sonorosingt Rossinis «Petit Messe Solenelle».

Man traf sich mit American Songs
(Aargauer Zeitung 09.11.2010)

Baden: Überlandorchester mit dem Coro Sonoro
 
Wer westwärts lange über Land und dann noch über die See reist, landet unweigerlich in Amerika. Treffpunkt waren die «Old American Songs» von Aaron Copland. Das spannende Werk des US-amerikanischen Komponisten, Sohn litauischer Einwanderer, hat den amerikanischen Folksong in die Moderne mitgenommen und mit ihm eine Prise zeitgenössische Musik und ein klein bisschen Jazz verabreicht. Welche herrliche und grosse Herausforderung für einen Chor!

Fantastisch geglücktes Experiment 

Doch was liegt für diesen Chor näher, als das schweizerische Pendant zu diesem Copland als instrumentale Unterstützung anzufragen? So kam denn auch die musikalische gewagte und doch so logische Kombination von Max Lässers (kleinem) Überlandorchesters mit dem jungen Coro Sonoro von Margret Sohn zustande. Und das Experiment ist hundertprozentig geglückt. Er habe sich sehr gerne auf dieses spannende Projekt eingelassen, erklärte Max Lässer, az-Kulturpreisträger 2010. So entstand ein herrlich-erfrischendes Programm mit gemeinsam oder vom Chor allein vorgetragenen, zu Teilen sehr anspruchsvollen Copland-Songs, dazwischen mit Stücken aus dem  Überland-Repertoire.

«Überland – Übersee» hiess der Titel, übervoll waren die Ränge, sowohl beim Konzert in der Kirche in Kirchdorf als auch am Sonntagabend in der Stanzerei. Das Publikum liess sich von Markus Flückiger (Schwyzerörgeli), Töbi Tobler (Hackbrett), Philip Küng (Bass) und Max  Lässer (Gitarren, Lap Steel) in deren Welt der Volksmusik-Interpretation führen. Der von Margret Sohn geleitete Chor setzte sich  imponierend in Szene, dezent begleitet von Rahel Sohn am Piano. Die gemeinsam vorgetragenen Stücke sprühten vor Intensität und Harmonie, und dies bei einer gemeinsamen Probe.

Wenn der Coro auf Reisen geht
(Rundschau 23.12.2009)

Es war schon lange ein Punkt auf der Chor-Agenda des „coro sonoro“ unter der Leitung von Margret Sohn, der sich in der Region schon längst einen Namen mit der Aufführung von neuen, nie oder selten gehörten Werken machte, aber auch das Schweizer Lied-Gut mit gebührender Ernsthaftigkeit und gesundem Witz pflegt: eine Reise. Da es von Anfang an klar war, dass die Reise mit Musik im Gepäck angetreten werden soll, war schnell ein Konsens gefunden: das internationale Adventssingen in Wien vom 26. bis 30. November.

Das Programm war mit drei Auftritten zu je dreissig bis sechzig Minuten ideal, um Kostproben unseres unterdessen reichhaltigen Repertoires zu bieten. Obwohl, einige befürchteten, dass wir zu wenig Zeit für die Besichtigung der stolzen Metropole hätten.

Schon der erste Morgen bewies das Gegenteil: Auf einer ausgedehnten Stadtrundfahrt gewannen wir einen Überblick über die Stadt mit ihren vielen geschichtsträchtigen Gebäuden. Ihr Ende fand die Rundfahrt im prachtvollen Rathauskeller, wo ein Mittagessen für alle teilnehmenden Chöre bereit stand.

Für den ersten Auftritt im Alterseim Schmelz zogen wir einige Weihnachtslieder und Kostproben aus seinem Schweizerlieder-Programm „LiedGut“ aus der Tasche. Da und dort wurde geschmunzelt im Publikum, gerätselt, was der schweizerdeutsche Text wohl heisst, Finger klopften auf dem Tisch den Takt mit. Auch wenn der Applaus nicht frenetisch war: Dem betagten Publikum war die Begeisterung ins Gesicht geschrieben. Das zeigte sich auch nachher beim festlichen Apéro, wo sich die Mitglieder und allen voran unsere musikalische Leiterin Margret Sohn vor Komplimenten kaum retten konnten.

Auf die Minute genau

Für den Samstag stand der Auftritt im Rathaussaal auf dem Programm: Dreissig Minuten brutto – fast auf die Sekunde genau, standen jedem Chor zur Verfügung. Der schöne Saal liess uns fast ehrfürchtig werden. Und während wir beim Einsingen etwas schlaff geklungen haben mögen – das Riesenwienerschnitzel vom Vorabend vielleicht noch nicht ganz zu Ende verdaut und noch den späteren Abend oder den früheren Morgen in den Knochen –, schraubten wir uns zum Auftritt wieder aus der Reserve, und wir nahmen das Publikum mit auf die Reise durch Jahrhunderte und über geografische Längen- und Breitengrade hinweg, um dann geradewegs in der Ferne auf die Schweiz zu treffen mit ihren humorvollen, melancholischen, kraftvollen Liedern voller Geschichte und Geschichten.

Im der Pfarre Canisius unterstützten wir oben auf der schwindelerregend hohen Empore den Gottesdienst. Wirklich warm wars ja nicht. Aber diese Akustik . . .! Die doppelchörigen Werke von Mendelssohn kamen hier wunderbar zu Geltung, füllten den Raum und klangen nach. Noëmi Sohn (Sopran solo) umarmte mit ihrer Stimme das grosse Volumen der Kirche. Rahel Sohn an der Orgel gab uns feinfühlig begleitend den Boden unter den Füssen zurück.

Offizielles, Magisches und Geselliges geben sich die Hand 

Am Abend grad nach gediegenem Dîner im Wiener Kursalon, waren alle teilnehmenden Chöre zum Aperitive in den Rathaussaal geladen. Und dort durfte Margret Sohn zusammen mit den vielen andern Chorleitern eine Urkunde zur Teilnahme am internationalen Adventssingen entgegennehmen – unter grossem Applaus. Wir liessen uns gerne dazu überreden, auf der Bühne nochmals eine kleine Kostprobe zu geben. „Stets in Truure“ schien es vielen angetan zu haben, nicht nur uns.
Als dann alle fort waren, wir „coro-sonörler“ auf einmal allein mit einigen Rathaus-Angestellten im Raum, sangen wir in grossem Kreis „Oh nuit“ aus dem 16. Jh., einfach nur für uns. Und für die Handvoll Zuhörenden. Ein würdiger Schlusspunkt – vielleicht ein magischer Moment unserer Reise.

Doch zu einer solchen Chorreise gehören zwei Schlusspunkte – sozusagen ein Doppelpunkt also –, damit es nachher wieder weitergehen muss: Wir zogen ins „Einstein“ um die Ecke. Da trafen wir dann auch noch auf Mitglieder eines Chors aus Chicago. Und wenn in nicht allzu ferner Zukunft „Stets in Truure“ in Chicago erklingt und in den Chorcharts wochenlang die Nummer eins ist, ist das mitunter auch das Verdienst des „coro sonoro“.

Standing ovation für coro sonoro und Trio Räss
(fricktal24.ch 02.06.2008)

Einfache schweizer Volkslieder, wie wir vermeintlich meinen sie alle zu kennen und oftmals in gemütlicher Runde, zur späten Stunde anstimmen, beinhaltete das andersartige Konzert, welches vom „Trio Räss“ und dem „coro sonoro“ in der Wittnauer Kirche am vorletzten Freitag gegeben wurde.

Ein Konzert, das Seele und Geist erfreute, vom ersten bis zum letzten Ton unter die Haut ging aber für die Körperhülle puren Stress bedeutete. Gänsehaut folgte auf Hühnerhaut und umgekehrt. Innerliche Freude, Sehnsucht, Wehmut, lösten sich ab. Weinen oder lachen? Ein Konzert voller Emotionen, nicht weil „patriotische“ Lieder gesungen und gespielt wurden, sondern weil in den Arrangements, wie bei den Gospels, eine Seele spürbar war.

Ja, es sind Volkslieder im Gospelstil ohne aber, dass die Kompositionen entfremdet sind. Keine elektronische Orgel, kein elektronischer Bass, kein Schlagzeug, machten den Sound aus. Vibraphon, Hackbrett und Kontrabass sind die Instrumente welche das „Trio Räss“ gekonnt, melodiös, harmonisch, rhythmisch bis mythisch zum Erklingen bringen. Ob blusig, jazzig oder rockig, was das Trio auch spielt, es bleibt einfache Volksmusik, aber mit grosser Musikalität und Feingefühl fürs Detail vorgetragen. 

Wenig deutete anfangs auf ein spektakuläres Konzert hin. Auch als Erich Fischer (Vibraphon), Belisa Mang (Hackbrett), Hannes Giger (Kontrabass), kurzum das Trio Räss, mit seinem unterschiedlichen, auffälligen Outfit die Kirche betraten, wies ansonsten noch nichts darauf hin. Aber bereits den ersten Ton, den Erich Fischer mit einem Bassgeigenbogen auf seinem Vibraphon erzeugte, liess etwas Besonderes erahnen. Nach der mystischen Ouvertüre, setzte übergangslos im hintern Teil der Kirche der Chor ein, so dass es einem kalt den Rücken hinunterlief. Das nächste Lied ertönte zuerst von der Empore, dann vom Altar und langsam, einem Sternenmarsch ähnlich, kamen die Sängerinnen und Sänger singend in die Kirche. Der Raum war klanglich erfüllt, so als ob sich die ganze Himmelsschar in Wittnau ein Stelldichein gäbe. 

Nach der Begrüssung durch den Gemeindeleiter Christoph Küng, sang der Chor unter der dynamischen Leiterin Margret Sohn „Im Aargäu sind zwöi Liebi“. Ein Lied, das „Otto Normalverbraucher“ wenn er es dann mal singt, einfach so herunterleiert. Der Chor aber macht der Zuhörerschaft die tragische Stelle des Liedes „und der Jungknab zog zum Kriege“ bewusst. Fertig lustig, Nachdenklichkeit kommt auf und das Volkslied wird so zum Antikriegslied. Diese Art des Arrangements ist symptomatisch für das ganze Programm. Der Chor gibt den „einfachen“ Volksliedern eine neue Bedeutung einen neuen Sinn. 

Mal lustig mal tiefsinnig folgte Höhepunkt auf Höhepunkt und gipfelte in „Le vieux chalet“ aber vorallem in „Luegid vo Bärg und Tal“. Der Chor aus Kirchdorf,  zusammen mit dem Trio Räss begeisterte vollends und so wundert’s wohl kaum, dass das Publikum sie nicht ohne dreifache Zugabe entliess. 

Die Mystik des Meers
(Mittelland Zeitung 28.03.2007)

Kirchdorf: Der Coro Sonoro singt eine zeitgenössische keltische Messe

Der Coro Sonoro wagt sich mit «A Celtic Mass for the Sea» von Scott Macmillan (Musik) und Jennyfer Brickenden (Libretto, Zusammenstellung und Bearbeitung der Texte) erneut an eine schweizerische Erstaufführung. Das Konzertprogramm wird durch Instrumentalstücke aus irischer respektive keltischer Musik abgerundet.

Komponist Scott Macmillan schlägt im Stück «A Celtic Mass for the Sea» Brücken zwischen der klassischen Chormusik, dem Jazz und der traditionellen keltischen Volksmusik, wie sie hierzulande vor allem aus Irland und Schottland bekannt ist. Die Kombination der verschiedenen Musikstile erlaubt eine Vielfalt an musikalischer Ausdruckskraft: Während man in wogenden Chorpassagen schwelgt, deren Akkorde weit in die Tiefe reichen, kommt schon ein keltischer Jig (traditionelle Tanzmusik) oder ein Fiddle-Solo. Während schräge und kantige Akkorde wie ein böiger Sturm die See aufwühlen, werden sie im nächsten Moment mit einer ruhigen und melancholisch-mystischen Melodie mit gälischem Text wieder geglättet.

Thematisch befasst sich die Messe mit dem Mysterium und der Mystik des Meers. In dem Stück wird das Meer als Urquell des Lebens besungen. Zudem bezieht die Messe klar Stellung: Wer auf der Welt rumtrampelt, trampelt auf sich selbst rum - ein Satz, der in mehreren, zum Teil 1400 Jahre alten Quellen auftaucht und immer noch Gültigkeit hat.

Der Aufbau der «Celtic Mass for the Sea» folgt dem traditionellen Messegerüst, allerdings nehmen sich Scott Macmillan und Jennyfer Brickenden viele Freiheiten: Die Texte stammen zum überwiegenden Teil aus dem grossen Fundus der alten keltischen Literatur. Darunter finden sich auch Texte aus Druidenschriften und heidnische Beschwörungsformeln.

Ein Auftragswerk

Scott Macmillan und Jennyfer Brickenden stammen aus Halifax in Kanada. Es kommt nicht von ungefähr, dass sie sich mit keltischem Material befassen, haben sich doch in der Gegend viele schottisch- und irischstämmige Menschen niedergelassen und ihre Kultur weitergepflegt. Scott Macmillan ist nicht nur Komponist, er spielt auch in mehreren Formationen Gitarre - er ist im Jazz und in der klassischen sowie in der Rockmusik gleichermassen zu Hause - und arbeitet mit angesehenen Sinfonieorchestern zusammen. Die «Celtic Mass for the Sea» entstand 1988 im Rahmen eines Auftragswerks für eine kanadische Radiostation und wurde unter Macmillans Leitung auch in der Carnegie Hall in New York aufgeführt.

Verschiedene Projekte realisiert

Der Coro Sonoro führte im Herbst 2006 mit Erfolg die Tangomesse «Misa a Buenos Aires» in Kirchdorf und im Claquekeller in Baden auf - auch dies eine schweizerische Erstaufführung. Der Chor war 1999 ins Leben gerufen worden, um ein einmaliges Projekt zu realisieren. Dabei ist es aber nicht geblieben. Dem einen Projekt folgten weitere. So hat der Chor unter der Leitung von Margret Sohn neben den «Carmina Burana» (2001), dem «Stabat Mater» von Francis Poulenc (2005) und vielen weiteren Konzerten diesen Winter zum zweiten Mal «Navidad Nuestra» von Ariel Ramirez aufgeführt.

Das Wasser stimmgewaltig vertont
(Mittelland Zeitung 02.04.2007)

Kirchdorf Der Coro Sonoro begeisterte mit einer weiteren Schweizer Erstaufführung

Die Mitglieder des Coro Sonoro haben es einmal mehr geschafft: Unter der Leitung von Margret Sohn gelang ihnen mit „A Celtic Mass for the Sea“ ein atmosphärisch dichtes und qualitativ hochstehendes Konzert.

von Michael Bamberger

Es waren bei weitem nicht nur gewohnte Klänge, welche die Zuhörer am Sonntag in der voll besetzten Kirche von Kirchdorf zu hören bekamen. Gleich zu Beginn gaben Christoph Zimmerli an der Querflöte, Marco Friedmann an der Gitarre und Paddy Stocker an der Fiddle mit einem atemberaubenden keltischen Jig (traditionelle Tanzmusik) mächtig Gas - es sollte nicht ihr einziger Auftritt dieser Sorte gewesen sein. Dass man aber nicht den ganzen Abend lang „fiddeln“ würde, machte der Coro Sonoro in seinem ersten Einsatz klar: Mit beeindruckend homogenem Chorklang und mystischem Liedtext zogen sie die Zuhörer in den Bann des mächtigen Meeres, dem „Urquell des Lebens“.

Die „Celtic Mass for the Sea“ von Komponist Scott Macmillan ist eine Mischung aus klassischer Chormusik und keltischer Volksmusik. Während die melancholischen und schöpferischen Seiten des Wassers mit entsprechend harmonischen Tönen besungen wurden, prägten bei den bedrohlichen und stürmischen Aspekten des Meeres vorwiegend dissonante Akkorde den Gesang. Dies stellte nicht nur gewisse Ansprüche an die Zuhörer, sondern war vor allem eine gewaltige Herausforderung für den Coro Sonoro, welche jedoch souverän gemeistert wurde: Mit Dirigentin Margret Sohn am Steuer ging der Chor zu keiner Zeit im Meer der Dissonanzen unter.

Das überzeugende Orchester und die auf Grossleinwand projizierten Aufnahmen verschiedenster Meereslandschaften trugen ihren Teil zu einem atmosphärisch dichten Konzert bei. Zudem bewiesen die Solisten Noëmi Sohn und Ben Newman ihr Können einzeln sowie im Duett. Mit einem wundervollen „Agnus Dei“ und dem nicht minder harmonischen „Dismissal“ endete das Konzert, ehe die Zuschauer mit stehenden Ovationen die obligate Zugabe einforderten.

Corramos, die Musik erklingt
(Mittelland Zeitung 04.01.2007)

Kulturkreis Mellingen - Ein fantastischer Chor bot ein hitziges Neujahreskonzert

Der coro sonoro liess die Weihnachtszeit farbenfroh und rhythmisch ausklingen. Nach spanischer Musik berauschte die lateinamerikanische Weihnachtskantate «Navidad Nuestra» die zahlreich erschienenen Zuhörer.

Von wegen «Stille Nacht, heilige Nacht». Wer vergangenen Dienstag das Neujahrskonzert in der überfüllten katholischen Kirche Mellingen besuchte, erlebte eindrücklich, in welchem Kontrast das Erleben von Weihnachten in südländischen Kulturkreisen zum hiesigen steht. Das Akkordeon ersetzte das Glockenspiel, statt der Harfe war die Gitarre in Aktion und nicht zuletzt heizte anstelle des Triangels die Perkussion ein.

Spanische Weihnachtslieder

Bereits zu Beginn war Bewegung in der Sache: Während die instrumentale Besetzung loslegte, stellte sich der gemischte Chor in den Seitenschiffen auf, schritt sodann die Geschichte der Drei Könige singend auf die Bühne. Rasch wurde klar, dass Margret Sohn als Dirigentin den Chor fest im Griff hat, ihre Begeisterung schwappte sichtlich auf die Sängerinnen und Sänger über.

In der Fortsetzung stellte David Stauffacher als Perkussionssolist sein Rhythmustalent unter Beweis. Weitere spanische Weihnachtslieder folgten. Dazwischen wirkte der Akkordeonist Wolfgang Jacobi solistisch.

«Navidad Nuestra» heisst die Weihnachtskantate des Argentiniers Ariel Ramírez, die von der Geburt Jesu erzählt. Wiederum wurde es richtig heiss in der Kirche, aber auch mystisch, so etwa bei «Riu, riu, chiu», als vom tollwütigen Wolf gesungen wurde. Der lebendige coro sonoro, welcher vor allem aus jungen Stimmen besteht, zeigte sich in bester Verfassung, insbesondere dank dem starken Bass. In ihrem Sopransolo konnte Noëmi Sohn in den hohen Lagen überzeugen, indem sie die Töne in wunderbaren Klangfarben zum Blühen brachte.

Grosse Begeisterung

Standing Ovations waren absehbar. «Jedes einzelne Chormitglied hätte eine Rose verdient», bemerkte Fredy Wächter, Aktuar des Kulturkreises Mellingen. Der coro sonoro bescherte dem beflammten Publikum drei Zugaben und schloss mit «Corramos, die Musik erklingt!». Während die Sängerinnen und Sänger singend rauswanderten, klatschte das Publikum mit, selbst Jauchzer konnten nicht mehr unterdrückt werden. Ein durchwegs gelungener Auftritt!

Ob in der Kirche oder in der Bar
(Mittelland Zeitung 08.09.2006)

Kirchdorf/Baden Der coro sonoro präsentiert eine Schweizer Erstaufführung

Immer wieder führt der coro sonoro spezielle Werke auf. Im Internet stiess man auf die Tangomesse «Misa a Buenos Aires», gesungen vom Faust Chor. Am Samstag hört man sie erstmals in der Schweiz.

Mit «MozarTango» lassen sich die Konzerte des coro sonoro vom Wochenende betiteln. Sie bieten nebst der Tangomesse des Argentiniers Martin Palmeri einige kurz Stücke von Mozart - zum Teil so, wie er sie geschrieben hat, zum Teil anders. Im Zentrum steht die Schweizer Erstaufführung der «Misa a Buenos Aires». Deren Text entspricht der Liturgie, ist aber ganz im Stil des Tango und seiner verschiedenen Ausprägungen gehalten. Der Komponist legte sie für Bandoneon (eine Abwandlung des Akkordeons), Klavier, Mezzosopran, Streicher und Chor aus.

Leidenschaft des Tangos

Die Chormesse schwelgt in Leidenschaft, stampft mit Nachdruck, nimmt sich edel zurück in Eleganz, um danach wieder in eine kraftvolle Melancholie zu verfallen, wie man sie nur im Tango mit seinem typischen Instrument Bandoneon antreffen kann. Das Werk kann mit diesen vielfältigen Stimmungen in einer Kirche aufgeführt werden, aber sicher auch in einer verrauchten Bar in der Innenstadt von Buenos Aires.

Der Chor hat mit Peter Gneist aus Bern einen Bandoneonisten und ausgewiesenen Tangokenner als Solist verpflichtet, was sicher ein Glücksfall für das Projekt gilt. Er gab dabei Dirigentin Margret Sohn einige Tango-spezifische Tipps und Tricks für den Chor mit. Dass der Tango nicht nur ein Standardtanz ist, das ist spätestens seit Astor Piazzolla klar. Er war einer der Erfinder des Tango Nuevo, der die Argentinische Musik neu interpretierte, sie mit Elementen des Jazz und des Rocks, aber auch der klassischen Musik versah und sie auf diese Weise aus den Tanzlokalen hinausführte auf die Konzertbühnen. In den 90-ern hielt der Tango auch Einzug in der Welt der klassischen Musik.

Der coro sonoro lässt auch ein geistliches Werk von Mozart erklingen («Seele des Weltalls») und die Ouvertüre zur «Zauberflöte» - für Chor a capella. Damit will der Chor einen eigenen Beitrag zum Mozart-Marathon 2006 leisten - mit einem Augenzwinkern, doch voller Respekt. Auch die humorvollen und trinkfreudigeren Seiten des Komponisten will der Chor betrachtet haben und tut einen scheuen Blick in seine Korrespondenz mit Konstanze, die er zum Teil vertont hat. Auch diese Musik lässt sich überall aufführen. (cos)

Leitung Margret Sohn, Mezzosopran Ingrid Borter, Bandoneon: Peter Gneist, Klavier: Rahel Sohn Achermann.

Musik, die Nordländer besonders erfasst
(Mittelland Zeitung 11.01.2006)

Der junge coro sonoro aus Kirchdorf bei Baden liess in der Kirche Wittnau nochmals weihnachtliche Stimmung aufleben. Unter der Leitung von Margret Sohn gelangten Lieder aus Südamerika und Spanien zur Aufführung. Begleitet wurde der Chor von einem kleinen Orchester mit Martin Telli an der Gitarre, Jürgen Nigg am Akkordeon und David Stauffacher am Schlagzeug. Die junge Sopranistin Noëmi Sohn, Tochter der Chorleiterin, bezauberte mit ihrer reinen, kräftigen Stimme.
 
Im Zentrum stand die Weih-nachtskantate «Navidad Nuestra» des argentinischen Komponisten Ariel Ramirez, die in einer Folge von sechs Liedern die biblische Weih-nachtsgeschichte von der Verkündigung bis zur Flucht in der Färbung seiner lateinamerikanischen Heimat erzählt. Den Abend stimmte der Chor mit dem Lied «Los Reyes magos» - «Die Heiligen Drei Könige» aus der Kantate ein. Es folgten Lieder und rhythmische Musikstücke aus Venezuela, Bolivien, Chile und Spanien, welche die Kantate umrahmten. Im zentralen Werk, «Navidad Nuestra», löste Noëmi Sohns strahlendes Sopransolo gleich nach dem ersten der sechs Teile spontanen Applaus aus.

Es war ein Konzert von einzigartiger Schönheit, dessen Melodien mit ihrem Wohlklang die andächtig Zuhörenden zutiefst ergriffen und das sie mit seinen Rhythmen fast nicht mehr stillsitzen liess. Südländische Frömmigkeit, inspiriert durch iberische und indianische Einflüsse, erzeugen eine Musik, die den nördlichen Menschen auf ganz besondere Weise erfasst. Die jungen, frischen Stimmen des coro sonoro interpretierten diese besondere Atmosphäre aufs Schönste.
Das Publikum dankte denn auch mit lang anhaltendem Beifall und wurde dafür mit zwei weiteren Perlen aus der ibero-amerikanischen Musikwelt belohnt.

Mut zu unbekannteren Werken

Der corosonoro ist ein junger Chor mit gegen vierzig Sängerinnen und Sängern, der bereits auf eine rege Konzerttätigkeit zurückblickt und sich auch an unbekanntere Werke mit beachtlichen Anforderungen heranwagt. Zu erwähnen sind aus letzter Zeit die Aufführungen von Karl Jenkins Mass for Peace «The Armed Man» (Schweizer Erst aufführung) und Francis Poulencs «Stabat Mater». Margret Sohn liess sich in Salzburg und Luzern und in verschiedenen Kursen zur Chorleiterin ausbilden. Sie leitet in Kirchdorf und Nussbaumen verschiedene Kinder-, Jugend- und Kirchenchöre - seit 1999 auch den corosonoro.

Solange sich die Zunge regt
(Mittelland Zeitung 22.03.2005)

Kirchdorf: Der Chor «coro sonoro» führt Werke von Fanny Hensel-Mendelssohn und Francis Poulenc auf

Der coro sonoro hat zwei Benefizkonzerte zugunsten der Tsunami-Opfer gegeben. Die gesanglich anspruchsvollen Kompositionen mit tragischem Bezug wurden auf eindrückliche Weise vorgetragen.

Schon vor der Tsunami-Katastrophe hatte sich der coro sonoro unter der Leitung von Margret Sohn dazu entschieden, sich im Palmsonntagskonzert mit dem Thema Schmerz und Leid auseinander zu setzen. Niemand ahnte damals, welch tragische Relevanz die ausgewählten Werke bald haben würden.

Nach den Ereignissen des 26. Dezembers 2004 entschied sich der Chor, den Reinerlös aus der Kollekte der Caritas Schweiz zukommen zu lassen. Deswegen freuten sich die Sängerinnen und Sänger ganz besonders darüber, dass beide Konzerte sehr gut besucht waren und die Kasse dementsprechend klingelte.

Der Chor begann das Konzert mit der Chorkantate «Hiob» von Fanny Hensel-Mendelssohn; dabei wurden sie unterstützt von einem 20-köpfigen Ad-hoc-Orchester.


Warum schaut Gott zu?

In «Hiob» wird die Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz gestellt: Warum lässt Gott die Menschen allein und schaut zu, wie sie leiden? Was verzweifelt und anklagend anfängt, bringt die Komponistin zu einem versöhnlichen Ende: Hiob kommt mit Gott ins Reine, erkennt dessen Liebe. Die Krönung bildete der vom Chor gleich anschliessend vorgetragene Lobgesang: «Ich will von Gottes Güte singen, solange sich die Zunge regt», lautet etwa eine Passage aus der musikalischen Huldigung an den Schöpfer.

Mit sensibler Tongestaltung und differenzierter Akzentuierung gelang es dem Chor ausgezeichnet, diesen Wandel von Verbitterung zu Euphorie auszudrücken. Dasselbe gilt für Noëmi Sohn, welche ausdrucksstark und technisch überzeugend ihre Soloeinsätze meisterte.


Beklemmend

Die anspruchsvolle Stabat-Mater-Version von Francis Poulenc erzählte vom unsäglichen Leid, welches die Gottesmutter erfuhr, als sie ihren Sohn am Kreuz hängen sah. Der dramatische Inhalt des Stücks und die beklemmend dichte Atmosphäre, welche Chor und Orchester erzeugten, liessen einen regelrecht erschaudern. Offenbar problemlos sang sich der Chor, angeführt von der souveränen Dirigentin, durch unzählige Disharmonien. Trotz der hohen technischen Anforderungen blieben Dynamik und Betonung nicht auf der Strecke: Differenziert gestaltete man die einzelnen Strophen unter Ausnutzung des gesamten Klangspektrums.

Dazwischen präsentierten jeweils einige Chormitglieder pantomimische Darstellungen, welche den Schmerz auf abstrakte Weise symbolisieren sollten.

Der junge Chor gab ein atmosphärisch dichtes, eindrückliches Konzert.

Ein Werk von tragischer Relevanz
(Mittelland Zeitung 18.03.2005)

Kirchdorf - Mit dem Palmsonntagskonzert unterstützt der «coro sonoro» ein Projekt zugunsten Tsunami-Opfer.Roman Huber
Unverhofft wird das von Francis Poulenc komponierte Stabat Mater zum Aufhänger eines Benefizkonzerts am Palmsonntagwochenende. Das Leiden der Gottesmutter soll symbolisch für das Leiden derjenigen Opfer in Südindien stehen, denen der Erlös zukommen wird.

In zwei musikalisch sehr unterschiedlichen Teilen hat sich der von Margret Sohn geleitete coro sonoro aussergewöhnlicher Werke angenommen. Unterstützt wird der junge und dynamische Chor mit seiner engagierten Leiterin von einem rund 20-köpfigen Ad-hoc-Orchester. Noemi Sohn bestreitet die Solopartien für Sopran. Zu Stabat Mater hat die Theaterpädagogin Trix Lehr Intermezzi mit Bewegungen gestaltet.
Zu Beginn des Programms stehen die Chorkantaten «Hiob» und «Lobgesang» von Fanny Hensel-Mendelssohn. Die Schwester des berühmten Felix Mendelssohn hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Frau einen schweren Stand in der Szene. Ihre Musik kam nicht über den privaten Aufführungsrahmen hinaus. Erst Ende des letzten Jahrhunderts wurden Werke von ihr gedruckt.


Zu Benefizkonzerten erklärt

Mit der eindrücklichen Stabat-Mater-Version von Francis Poulenc griff Margret Sohn ein anspruchsvolles Stück dieses modernen Klassikers auf. Die atonalen Passagen fordern von Orchester und Chor einiges ab. Erschwerend wirkt die eigenwillige Aufstellung des Chores in zwei seitlichen Teilkreisen, womit die akustische Verbindung mit dem Orchester, das zurückgestaffelt im Chorbereich der Kirche sitzt, schwierig wird. Die ungewohnte Disposition öffnet den Raum nach vorne. Er wird in Intermezzi szenisch belegt durch gestaltete Bewegungen, die von sechs Laien- und einer ausgebildeten Tänzerin ausgeführt werden. Es sind natürliche Bewegungen, dem Alltag entnommen, die Trix Lehr in sehr kurzer Zeit mit den Aufführenden - alles Chormitglieder - kreiert, eingeübt und unaufdringlich zwischen die Chorsequenzen gesetzt hat.


Mit Schmerz und Leid

Francis Poulenc, ein Musiker, dem nach misssratener Aufnahmeprüfung ans Konservatorium von Paris seine Anerkennung unter seinesgleichen sehr lange versagt geblieben war, hatte das Mariengedicht 1950 nach dem Tode eines engen Freundes vertont. Zu jener Zeit gehörte er schon zu den erfolgreichsten französischen Komponisten.
Als der Chor Ende vergangenen Jahres die Stückauswahl getroffen hatte, wusste noch niemand um die tragische Relevanz, die sich durch die Flutkatastrophe in Südostasien ergeben würde. Die Werkauswahl war ohnehin einer bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema Schmerz und Leid zugedacht, wie es in die Passionszeit hineingehört. Allerdings musste die Orchesterpartitur (für ein vollständiges Sinfonieorchester) auf ein 20-köpfiges Ensemble heruntergebrochen worden, was der Kirchdorfer Organist Georg Masanz gut zu lösen wusste.
Der Chor entschloss sich, die beiden Palmsonntagskonzerte in der Kirche Kirchdorf als Benefizkonzerte aufzuführen. Dies ermöglichte die grosszügige Unterstützung von Sponsoren. Um die Kosten niedrig zu halten, wurde die Produktion schlank gehalten, die Profis unter den Mitwirkenden verzichten auf einen Teil ihrer Gage. Der Reinerlös aus der Kollekte wird einem Caritas-Projekt zugunsten Tsunami-Opfer in Südindien zukommen. Es handelt sich um den Wiederaufbau von Fischerdörfern und die Unterstützung der dortigen Frauen, die der Tsunami zu Witwen gemacht hat.

Friede ist nicht, Friede wird
(Aargauer Zeitung, 06.04.2004)

Erstaufführung: Margret Sohn führt Chor und Instrumentalisten durch das moderne Werk
Karl Jenkins hat die Friedensmesse «the armed man» im Jahre 1999 im Auftrag des englischen Museums «the royal armouries» geschaffen. Sie ist in einem Arrangement unter Leitung von Margret Sohn in Kirchdorf zum ersten Mal auf Schweizer Boden aufgeführt worden. Das Interesse war sehr gross. Die Kirche war bis auf wenige Plätze voll besetzt.

«Das Stück spannt einen Bogen vom Einzug in den Krieg über den Horror des Krieges bis zum Gedanken, dass Frieden besser ist», beschrieb Pfarrer Herbert Sohn einleitend den Inhalt des Werkes. Mit den Worten «Friede ist nicht, Friede wird» leitete er zum Konzert über und gab die Bühne dem coro sonoro und den Musikern frei.
 
Als der Chor im Gleichschritt an Ort und Stelle zu marschieren begann, wurde dem Publikum klar, dass es sich um keine alltägliche Choraufführung handelt. Die Stücke wurden von den Sängerinnen und Sängern in verschiedenen Formationen vorgetragen.

Die von Pfarrer Sohn beschriebenen Stationen der Messe waren klar und deutlich herauszuhören: Vom mächtigen, glorreichen Einzug in den Krieg über den ohnmächtigen, zur Verzweiflung treibenden Horror der Kämpfe bis zum schrecklichen und dennoch Hoffnung tragenden Ende.

Der Chor absolvierte seinen Part ebenso klang- wie gefühlvoll. Unter anderem gefiel das Solo von Markus Peter, der mit einem orientalischen Gebetsaufruf die Akustik der Kirche zu nutzen wusste. Auch die Musiker überzeugten in ihrer Rolle. Ob begleitend oder solierend vermochten Klavier, Flöte, Trompeten, Posaunen und Percussion die Themen des Werkes eindrücklich zu interpretieren. Das Schlagzeug verlieh dem eher klassisch anmutenden Gesang einen modernen Touch.

Der dezente Einsatz des Lichtes schuf zusätzliche Stimmung. Blut schien tatsächlich an den Wänden zu kleben, wenn der Chor von den Gräueltaten des Krieges sang. Der Text gab diese bittere Realität ergreifend wieder, ohne zu beschönigen. Ungeschminkt wurde vom Tod gesungen, von brennenden Menschen und Tieren, von der Flucht vor Mördern, von der Ohmacht.

Die gelungene Aufführung des eindrücklichen Werkes begeisterte das Publikum dermassen, dass der Chor und die Instrumentalisten erst nach langem Applaus und unter «standing ovations» die Kirche verlassen konnten.

Von Schmerz bis Freude
(Aargauer Zeitung 24.10.2003)

KIRCHDORF · «Gilbo’a» und «coro sonoro» mit jiddischem Liedgut
Improvisation mit Chorsatz kombiniert - kein einfaches Projekt. Margret Sohnscoro sonoro und das Klezmer-Trio Gilbo’a haben es gewagt und sich gefunden.

Diese Musik steht mir sehr nah», offenbart Margret Sohn ihren Bezug zu Klezmer. Und das Klezmer-Trio Gilbo’a mit Georges Müller (Klarinette), Michael Erni (Gitarre) und Gallus Burkard (Kontrabass) verkörpert diese einzigartige Musik, die zwischen Schmerz, Hoffnung und Ausgelassenheit hin- und herwiegt. Sie wurde in den jüdischen Gettos Osteuropas vor 50 Jahren gespielt, geriet erst in Vergessenheit, wurde aber in jüngster Zeit wieder erweckt.

Der coro sonoro ist ein Chor begeisterter Sängerinnen und Sänger zwischen 20 und 40 Jahren. Viele von ihnen haben schon im Jugendchor unter Margret Sohn gesungen. Der Chor pflegt sowohl das volkstümliche Liedgut als auch anspruchsvolle klassische Werke. «Eine Stilrichtung haben wir uns nicht vorgegeben», fügt Sohn an.

Bereits vor einigen Jahren realisierte Margret Sohn ein ähnliches Konzert mit Gilbo’a, aufgeführt in einer Synagoge. Das neue Projekt ist auf demokratischem Wege in der Diskussion mit dem Chor zustande gekommen. «Wir haben gemeinsam über unser nächstes Konzertthema gesprochen», erklärt Sohn. Man habe entschieden und mit Gilbo’a die Termine für Proben und das Konzertdatum vereinbart.

Es sei erstaunlich viel Literatur jiddischer Lieder vorhanden, sodass sich gut ein Chorprogramm zusammenstellen liess, erzählt die Chorleiterin weiter. Das Spannende jedoch sei zweifellos die Kombination. Hier ein Chor, der sich doch an eine strikte Ordnung halten müsse, dort das Klezmer-Trio, dessen Musik zu einem grossen Teil auf Improvisation fusse.

Das Konzert ist in drei Blöcke mit mehreren Liedern eingeteilt. «Die Blöcke sind eine Einheit, doch Applaus dazwischen ist nicht verboten.» Quasi in freier Führung gestalten die Musiker die Übergänge und die Einführung ins Chorlied, was von der Direktion grosse Aufmerksamkeit erfordert. Die meisten Chorlieder werden begleitet, einzelne a cappella vorgetragen.

Jubel und Trauer im modernen Stil
(Aargauer Zeitung 24.03.2002)

KIRCHDORF · Konzert mit dem coro sonoro
Die Klassikfans mussten sich gewaltig umstellen. Statt der traditionellen Klänge ertönten Werke, die sich an Musicals, Gospels und Jazz orientieren. Dank dem englischen Komponisten John Rutter und dem Chor öffneten sich die Herzen der Zuhörer, und das Konzert wurde zu einem grossen Erfolg.
Bachs monumentales «Magnificat» und Mozarts erschütterndes «Requiem» musste man vergessen. Dem 57-jährigen Rutter glückte eine Mischung moderner Unterhaltungsstile: eingängige Melodien voller Sinnlichkeit und Wohlklang, prägnante Rhythmen, eine brillante Instrumentation. Diese Musik, orientiert an Musicalkomponisten wie Bernstein und Webber, aber auch mit Anleihen aus der Popmusik, weckt das Verständnis für die Kirchenmusik. Dagegen ist beileibe nichts einzuwenden, sieht man davon ab, dass an einzelnen Stellen die Grenzen des Kitschs gestreift werden.

Sorgfältige Stimmbildung
Margret Sohn bestätigte frühere Konzerteindrücke. Sie hat das sichere Gespür, Werke auszuwählen, die ihrem 48-köpfigen jugendlichen Chor voll entsprechen. Grundlagen des Erfolgs sind die hohe Musikalität, eine sorgfältig aufgebaute Stimmbildung und vor allem auch die grosse Begeisterungsfähigkeit der Sängerschar. Mit sicherer Hand führte die Dirigentin ihre Schutzbefohlenen durch zwei anspruchsvolle Werke, die in der angelsächsischen Welt oft aufgeführt werden.
Die Aufführung vom Samstag endete mit einer Standing Ovation. Die neuen, überraschenden Klänge und die souveräne Darbietung zielten direkt in die Herzen der Zuhörer. Einen wesentlichen Anteil am Gelingen hatte das Ad hoc-Orchester. In gehaltvollen Soloeinlagen konnten sich einige Musiker auszeichnen.

Vom Freudengesang . . .
Effektvoll, packend, rhythmisch stark akzentuiert wurde das «Magnificat» eröffnet. Der Chor war aber auch zu innigen, sorgsam gestalteten Partien befähigt, wie der Teil «Of a rose, a lovely rose» bewies. Zwischenhinein entdeckte man auch Jazzelemente, die mitreissend gestaltet wurden. Der Chor entwickelte eine beeindruckende Klangfülle.
In eindrucksvollen Steigerungen bewies er viel Sinn für ein abgestuftes Tonvolumen. Als Sopransolistin zeichnete sich Noëmi Sohn aus; sie behauptete sich gut gegen den Chor und gestaltete die lyrischen Passagen gefühlvoll. Machtvoll schloss das «Manificat» mit dem von Paukenwirbeln gestützten Chor ab.

. . . zur Totenmesse
Das 1985 komponierte «Requiem» fusst auf einer persönlichen Auswahl von Texten, zum Teil aus dem Requiem, teilweise aber auch aus dem Book of Common Prayer von 1662. Auch in diesem Werk liess sich Rutter eingängliche Themen einfallen, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Höchst eindrücklich gelang der düster gefärbte Eingangschor, wobei der Chor mit einem innigen Pianissimo auffiel. Der Psalm 130 war durch demütige, sanfte Töne gekennzeichnet. Zu Herzen ging das «Agnus Dei». Nochmals fiel Noëmi Sohns heller, reiner Sopran in zwei Soloeinlagen auf.
Angesichts der ausgezeichneten Leistungen des coro sonoro und des Orchesters vergass man den Ärger vor dem Konzert. In einem Teil der Vorschauen war der Beginn auf 20 Uhr festgesetzt, erfolgte jedoch erst um 20.15 Uhr. So hatten etliche Dutzend Konzertgänger das zweifelhafte Vergnügen, lange Minuten vor der verschlossenen Kirchentür zu frieren. Um 20 Uhr war dann die Kirche voll besetzt. Doch jetzt musste man nochmals warten.

Kirchdorf - Coro Sonoro mit Orffs «Carmina Burana»

In der voll besetzten Kirche erlebte man eine lebensdurchpulste, packende Aufführung des bekanntesten Werks von Carl Orff. Der aus 47 jungen Sängern bestehende und begeistert singende coro sonoro verwirklichte die Absichten der souveränen Dirigentin Margret Sohn eindrücklich.

Auch wenn man die 1937 entstandene Kantate schon gehört hat, wird man von der Unmittelbarkeit der Musik stets aufs Neue gepackt. Der Komponist hat diese Hymnen auf Jugend, Schönheit und ausgelassene Lebensfreude mit elementarer Kraft, aber auch mit empfindsam lyrischen Partien vertont.

Den Rahmen dieser gut einstündigen Komposition bildete die Anrufung des Schicksals in beschwörenden Tönen, wobei die Frauenstimmen effektvoll in hohen Lagen jubelten. Die Präzision, die vielgestaltige Interpretation und der Elan der singenden Teenager wurden während der ganzen Aufführung gewahrt. Die Dirigentin hielt den Chor mit deutlicher, oft weit ausschwingender Zeichengebung sicher im Griff. Das Ensemble konnte nicht nur klotzen, sondern, wo erforderlich, auch lyrische Passagen mit feiner Empfindung gestalten.

Da wäre beispielsweise der Unisonogesang «Frühlings heiteres Gesicht» zu erwähnen. Freudig bewegt und leichtfüssig gelang dem Chor der Satz «Sieh! der holde und ersehnte Frühling». Anstandslos gestalteten die hohen Frauenstimmen das Lied «Es grünt der Wald». Hier kam die fachgerechte Stimmbildung besonders zur Geltung. Mit Schalk und temperamentvoll sang der Chor das lose Lied «Krämer, gib die Farbe mir». Rasant und aufjubelnd ertönte der «Reigen». In drastischen Tönen sang der Chor «Einst schwamm ich auf den Seen umher». Seine Wirkung verfehlte der Hochgesang auf Bacchus nicht. Drastisch kam der nachfolgende Trinkgesang daher. Recht gut hielten sich die «Ra- gazzi» vom Jugendchor Siggenthal. Prachtvoll und bombastisch wurde der Lobgesang «Heil dir, Schönste» gestaltet. Die Solisten Marzina Hofmann (Sopran), Valentin Johannes Gloor (Tenor) und Konrad von Aarburg (Bariton) hielten sich gesamthaft achtbar. Mit ihrer empfindsam geführten Stimme, die auch in hohen Lagen gut ansprach, ragte die Sopranistin heraus. Den männlichen Solisten gelang nicht alles nach Wunsch; ihre Stimmen sind noch nicht fertig ausgebildet.

Prächtig schlugen sich die Perkussionisten Daniel Bertschi, Christian Bucher, Iwan Jenny, Marcel Nussbaumer und Christoph Stöckli, die mit ihren zündenden Einsätzen wesentliche Akzente setzten. Auch die Pianistinnen Barbara Kreis und Rahel Sohn gestalteten ihren Part mit Geschick. Der Applaus wollte kein Ende nehmen.